Die Foto-Flut

Können Sie sich an früher erinnern? An die Zeit, bevor Digitalkameras die Welt erobert haben. Die ‚guten alten Zeiten’, in denen man noch nach jedem Urlaub Freunde und Verwandte zum Bilderschauen einlud. Man saß in gemütlicher Runde bei Chips und Bier zusammen und ließ entweder einen Stapel Papierbilder rumgehen oder blickte gebannt auf die Wohnzimmerwand, wohin Dias projiziert wurden. Die Profis hatten sogar Tonbandgeräte mit automatischer Projektorsteuerung – so konnte man sich selbst auch zur lustigen Runde dazugesellen und mußte nicht andauernd den Rückwärtsgang einlegen, weil einige Damen die „och wie süß, zeig nochmal“ kleine Katze, die sich ins Bild geschlichen hatte, länger sehen wollten.
Und heute? Jeder knipst digital. Doch die gemütlichen Foto-Runden sind vorbei. Die Bilder werden per Mail, CD oder Internet an Freunde und Bekannte, oder über soziale Netzwerke wie Facebook oder WKW an alle Welt verteilt. Hatte man damals Stunden für Begleit-Text und Vertonung der Diashow geopfert, so erfährt man heute häufig nicht einmal mehr, wo die Bilder aufgenommen wurden. „Hallo, anbei meine Bilder vom Urlaub!“ und 100 JPGs im Anhang. Das ganze von irgendeiner Software so kleingerechnet, daß man nichts mehr erkennen kann. Ab in den Papierkorb!
Dabei gibt es so viele Möglichkeiten, seine Bilder interessant und spannend zu präsentieren. Doch als erstes muß Ordnung und ein System her. Das Problem ist nur: digital macht man schon mal gerne das ein oder andere Bild mehr. Mußte man früher jedes einzelne Bild bezahlen, so kann man heute knipsen, was das Zeug hält – dank günstigen Zweitakkus und riesigen Speicherkarten. Das führt dazu, daß nicht selten Hunderte und Tausende von Bildern eines Urlaubs irgendwo auf der Festplatte herumliegen.
Hier sollte man dringend einen Workflow entwickeln. Es ist auf keinen Fall verboten, viele Bilder zu machen. Profis machen oft zig Schüsse der gleichen Situation. Fotografiert man eine Personengruppe, so hat man hinterher vielleicht ein Bild, auf dem alle Leute lächeln. Ist hingegen ein Sonnenuntergang das Motiv, so kann man diverse Einstellungen der Kamera wie Belichtungszeit verändern, um ein stimmungsvolles Bild zu erhalten. Die Beurteilung ist am Kameradisplay oft nicht möglich, daher gilt hier: experimentieren.
Nach dem Urlaub müssen die Bilder erstmal auf den PC oder das Notebook. Man sollte sich sehr genau eine Ordnerstruktur überlegen, zum Beispiel je einen Ordner „Urlaub“, „Geschäft“, „Tagesausflug“ etc. Darin kann man Unterordner erstellen, die beispielsweise das Datum im Ordnernamen tragen, etwa „2010-04_Mallorca“. In diesem Verzeichnis könnte man nochmal unterscheiden zwischen den Fotografen, denn oft läßt man sich hinterher ja auch Bilder von Mitreisenden geben. So ist schonmal eine Grundstruktur vorhanden.
Man kopiert also die Bilder von den Speicherkarten in dieses Verzeichnis. Somit hat man temporär eine Sicherheitskopie auf der Speicherkarte, falls jetzt etwas passiert.
Doch man muß sich sofort die Zeit nehmen, die Fotos zu sichten und gnadenlos aussortieren. Unscharfe, verwackelte, bedeutungslose Bilder: weg damit. Wenn Sie nun Ihre 500 Bilder auf 80 reduziert haben, sollten Sie diese gründlich und mehrfach sichern. Beispielsweise zweimal auf DVD brennen (Fachhändler wie die ArcoSYS Computervertriebs GmbH aus Kandel-Minderslachen bieten spezielle ‚Archival’ Rohlinge mit längerer Haltbarkeit an), zusätzlich auf zwei verschiedene (externe) Festplatten. Überlegen Sie sich immer, wieviel Arbeit und Mühe in Ihren Daten steckt und sichern Sie lieber einmal mehr als einmal zu wenig. Externe Festplatten mit einer Größe von unglaublichen 1,5 Terabyte sind schon unter hundert Euro zu haben.
Nutzen Sie eine Software, um Ihre Bilder zu katalogisieren, zum Beispiel Adobe Lightroom oder das kostenlose Picasa von google. Sie können die Fotos hier mit Stichworten versehen und auch Bildkorrekturen wie Helligkeit, Entfernen von roten Augen und vieles mehr durchführen. Manchmal ergibt sich auch aus einem kleinen Beschnitt eine komplett andere Bildwirkung.

Jetzt können Sie ans Verteilen gehen. Suchen Sie Bilder aus, die den Betrachter interessieren könnten. Verschicken Sie nicht zu viele Bilder per Mail, das schaut sich niemand an. Viel interessanter: eine Webseite, die zusätzlich noch Kommentare oder einen Reisebericht enthält. Aber Achtung: Sind Personen zu erkennen, sollten Sie darauf achten, daß nicht jeder Zugriff auf die Seite hat.

Und was machen Sie mit Ihren analogen Bildern von früher? In deutschen Kellern verstauben Milliarden von Dias, Negativen und Fotoalben. Doch hier ist Vorsicht geboten: das Material altert und sowohl Papierbilder als auch Dias und Negative bekommen im Laufe der Jahre Farbstiche. Das können Sie zwar nicht aufhalten, Sie können diese Erinnerungen aber Ihrer digitalen Sammlung hinzufügen. Für diese Zwecke gibt es spezielle Scanner, welche ganze Filmstreifen, Fotostapel oder Diamagazine automatisch einscannen. Solche Geräte können Sie auch mieten, in der Region zum Beispiel bei der Firma ArcoSYS in Kandel. Dort erhalten Sie übrigens auch das komplette Zubehör, etwa den PC oder das Notebook zur Bearbeitung, Akkus und Speicherkarten für Ihre Kamera, Festplatten und Rohlinge zur Datensicherung – inclusive Beratung, so daß Sie lange Freude an Ihren Fotos haben werden.

Und dann erstellen eine Diashow, hinterlegt mit Musik, die Sie wie in früheren Zeiten mit Chips und Bier gemeinsam via Beamer an der Wohnzimmerwand betrachten.